Sonntag, 29. November 2009

Männer, Frauen und Deko-Schachteln

Die Sachlage, die du beschreibst lieber Stefan, ist nur eine der unzähligen Varianten derselben Problematik, die so alt ist, wie der Geschlechterunterschied selbst: manchmal verstehen wir uns einfach nicht. Manchmal ist uns einfach komplett schleierhaft, aus welchen Gründen der Vertreter/die Vertrerin des anderen Geschlechts eine bestimmte Sache tut/kauft/trägt/mag/nicht mag und so weiter und so fort. Das kann ein Unruheherd sein, das Grund für explosive Streitigkeiten sein, das kann sogar zum Beziehungsende führen. Viel einfacher wäre es aber, die Tatsache als gegeben zu akzeptieren, dass Männer und Frauen sich in einigen grundlegenden Bereichen des Lebens eben stark voneinander unterscheiden.
Frauen haben nie genug im Kleiderschrank - viele Männer haben keinen Kleiderschrank, sondern nutzen die Couch oder den Sessel als Aufbewahrungsort für die vier Shirts und zwei Jeans. Frauen haben einen Busen - Männer im besten Fall nicht und im schlimmsten Fall Herrentitten. Frauen möchten manchmal gerne nebeneinander liegen und reden - Männer möchten wenigstens fummeln, wenn nicht gleich ran an den Speck. Frauen denken meist extrem viel nach, über das, was sie sagen sollten und darüber, wie sie es sagen sollten - Männer öffnen den Mund und gucken, was so rauskommt. Frauen haben viel Kleinkram wie Schmuck, Souvenirs aus Urlauben, Fotos, kleine Geschenke, Kassenzettel, die wir aus sentimentalen Gründen aufheben und so weiter - Männer haben ein kleines Holzregal mit Playstation-Spielen. Das sind natürlich Klischees, überholte Bilder von veralteten und sexistischen Geschlechterrollen, über die wir eigentlich längst hinweg sein müssten. Und doch bestehen sie immer weiter fort, werden im Laufe der Jahrhunderte leicht transformiert, gleichen sich der jeweiligen Aktualität an - und überleben. Klischees gibt es eben nicht ohne Grund. Jedes Klischee besitzt irgendeine wahre Grundlage. Das kann man nicht verallgemeinern, das trifft nicht auf jeden zu und doch steckt etwas dahinter. Und deswegen ist es auch völlig egal, ob Männer verstehen, wieso Frauen sich bei IKEA zu sinnlosen Behältnissen zur Aufbewahrung von (zum Zeitpunkt des Kaufes) noch (!) nicht klar definierten Dingen hingezogen fühlen. Genausowenig müssen Frauen verstehen, warum Männer gerne Fifa zocken oder die Sportschau gucken oder einen riesigen Haufen Geld für Spiele ausgeben, in denen man virtuell virtuelle Menschen erschießt. Das ist eben einfach so. Und für alle heterosexuellen Menschen ist jeder Unterschied, der mein Geschlecht vom anderen Geschlecht abhebt, ein Grund zur Freude.
Im IKEA-Deko-Schachtel-Fall kann ich nur für mich selbst sprechen und sagen, dass ich jetzt vielleicht noch nicht weiß, was ich damit anfangen werde - aber schon morgen kann sich die perfekte Verwendung dafür finden. Und im Zweifelsfall sehen die meisten Vasen/Schachteln/Schublädchen auch leer schön aus. Und im Normalfall reicht mir das völlig. Welches Playstation-Spiel kann das von sich behaupten?

1 Kommentar:

  1. Der Kommentar brachte mich doch gerade auf die gloreiche Idee BHs für Männer herzustellen. Eine Marktlücke. Nur Mut, nur Mut.

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